Pflege demenzbetroffener Menschen

Pflege demenzbetroffener Menschen

Beitragvon Resi am 24.01.2012 12:36

Die Pflege von Menschen mit Demenz erlebe ich als etwas vom Interessantesten und Spannenstend überhaupt. Als ich vor Jahren das erste Mal einen Demenzbetroffenen pflegen musste, war ich damit reichlich überfordert. Vergesslichkeit, damit konnte ich noch gut umgehen. Dann wiederholte ich mich halt immer mal wieder... Aber Phänomene wie unkooperatives, abwehrendes Verhalten und das Gegenteil von dem machen, was ich wollte. Keinerlei Dankbarkeit, soviel Abbau, Degeneration, Verfall etc..
Nachdem ich den ersten Schrecken überwunden hatte, verschrieb ich mir Weiterbildungen, Literatur, Medienberichte. Validation (N.Feil) war das erste Hilfsmittel, was mir dazumal zum mehr Verständnis verhalf. Es gab damit aber auch Schwierigkeiten, wenn z.B. an Rapporten thematisiert wurde, dass dieses und jenes "nicht validierend" sei - wie bei der Kinästhetik: "Das ist aber nicht nach Kinästheik"...mei..mei.. :eusa_naughty Es dauerte eine Weile, bis ich erkannte, dass solche Theorien einzig als Hilfsmittel und nicht als Gesetzbücher verstanden werden sollten.
Nun ging ich dorthin, wo ich am meisten lernen konnte, auch, wie man es nicht machen sollte: Akutpsychiatrie "Memorystation" - Menschen ab 60 Jahren mit Verwirrtheit und meist auch Verhaltensauffälligkeiten. Anfangs gab es noch viele Situationen, in denen ich mich unsicher, ängstlich und überfordert fühlte. Wenn ich dann einen Zugang zum Patienten fand, seine Ablehnung sank, hatte ich Erfolgserlebnisse. Ich lernte, verschiedene Wege auszuprobieren und aufgrund der Reaktion des Patienten eine Bewertung meines Verhaltens zu machen. Ich hatte immer mehr Rollen in der Welt meines Gegenübers - mal war ich eine Ersatz eines Familienangehörigen, die ehemalige Lehrerin, die Freundin, selten die Krankenschwester, Engel, Clown... - mal sanft und vorsichtig, mal streng und direkt. Es begann Spass zu machen; Freude an der Arbeit. Dies befähigte mich, weiterhin 100% tätig zu bleiben, eine mögliches "Burnout" mit Arbeit zu kurieren.
Ich lernte auch drastische Massnahmen wie Fixationen, Zwangsmassnamen einzuschätzen, begründet und gezielt und ohne schlechtes Gewissen einzusetzten, die ärztlichen Verordnungen einzuholen, Angehörige angemessen zu informieren. Lernte dieses nach den ethischen Prinzipien im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Sicherheit, "Gutes tun" und "nicht schaden" einzuschätzen.
In diesem Akutbereich blieben jedoch zwei Bereiche unberfriedigend - meine neuer unfähiger Vorgesetzter und den Umgang mit Sterbenden. Ich musste daher eine andere Stelle suchen...natürlich zwingend auf einem Demenzwohnbereich.
Ich lese immer wieder Fachbücher zum Thema, besuche einzelen Weiterbildungsangebote, sehe Filme, lese Artikel z.B.
Personenzentriere Pflege nach Tom Kitwood, DCM, Integrative Validation (N.Richard), Emotionale Kommunikation (Weidenfelder), Snouzelen, Basale Stimulation,
"Akute Verwirrtheit - Delir im Alter" (James Lindesay / Alistair MacDonald / Kenneth Rockwood) :daumen[1] "Das kann ja heiter werden" (Iren Bischofberger) u.s.w.
Alles nehme ich als Bereicherung auf und nutze es als Hilsfmittel - nicht als Gesetztbuch. Mein Massstab sind die Reaktionen des Bewohners und dessen Umfeld geworden und nicht irgendwelche missverstandenen Theorien die mit Begriffen wie "demenzgerecht" in der Praxis zu starren Vorgaben verkommen sind. Ich kann mich entfallten, Zugang und immer wieder neue Wege suchen, habe Erfolgserlebnisse und auch Momente, in denen ich nicht weiterkomme - diese gehören dazu. Dann versuche ich es halt später noch mal oder hole Hilfe oder schicke jemand anderes oder setzte mich hin und trinke Tee....
Noch drei wichtige Tips zum Schluss: Viel lachen, viel singen und viel tanzen :grin: :eusa_whistle :00000441[1]

Haben andere ähnliche Erfahrungen? Freude an der Pflege Demenzbetroffener?
Resi
 
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Registriert: 15.04.2011

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